Der Ukraine-Krieg im Zeitraffer

Kann Kiew die russischen Truppen zurückdrängen?

Vor neun Monaten hat Russland die Ukraine überfallen. Seitdem haben Putins Truppen Teile des Landes besetzt, aber auch Rückschläge erlitten. Mit einer Gegenoffensive gewinnt Kiew vor allem seit Anfang September Territorium zurück.

Eine Chronologie.

24. Februar 2022

Russland greift die Ukraine an

Russische Truppen marschieren in der Ukraine ein.

Russische Truppen marschieren in der Ukraine ein.

Am frühen Morgen beginnt Russland mit Luft- und Raketenangriffen den Krieg gegen die Ukraine. Von mehreren Seiten marschieren Truppen in das Land ein. Russlands Präsident Wladimir Putin spricht von einem „militärischen Spezialeinsatz“. Die Ukraine solle „entnazifiziert“ und die russischsprachige Bevölkerung geschützt werden.  

2. März

Erste ukrainische Stadt eingenommen

Zerstörte russische Hubschrauber auf dem Flugplatz in Cherson.

Zerstörte russische Hubschrauber auf dem Flugplatz in Cherson.

Russische Truppen nehmen die Stadt Cherson in der Südukraine ein. Vor allem wegen ihrer Nähe zu der von Russland annektierten Halbinsel Krim ist die Region wirtschaftlich und strategisch wichtig.   

25. März

Kiew drängt russische Truppen zurück

Ukrainische Männer beseitigen Trümmer in Kiew.

Ukrainische Männer beseitigen Trümmer in Kiew.

Russland versucht, Kiew einzukreisen und Charkiw einzunehmen. Doch die ukrainische Armee wehrt sich erfolgreich. Daraufhin verkündet Russland einen Strategiewechsel: Künftig soll sich die Armee auf den Donbass in der Ostukraine konzentrieren.     

2. April

Entsetzen über Massaker von Butscha

Nach dem Massaker bergen Helfer die Leichen.

Nach dem Massaker bergen Helfer die Leichen.

Nach den russischen Angriffen ist der Kiewer Vorort verwüstet. Zahlreiche Leichen von Zivilist*innen, auch von Kindern, liegen auf den Straßen. Nach Behörden-Angaben wurden mehr als 400 Menschen getötet.   

21. Mai

Russische Truppen nehmen Mariupol ein

Blick aus dem zerstörten Gebäude des Sicherheitsdienstes der Ukraine in Mariupol.

Blick aus dem zerstörten Gebäude des Sicherheitsdienstes der Ukraine in Mariupol.

Russland verkündet nach wochenlanger Belagerung die Einnahme des Asow-Stahlwerks in Mariupol. Fast 2.500 ukrainische Kämpfer kommen in Kriegsgefangenschaft. Damit ist die ostukrainische Hafenstadt unter russischer Kontrolle. Sie wird durch Bomben und Beschuss fast vollständig zerstört.  

3. Juli

Region Luhansk unter russischer Kontrolle

Zerstörte Wohngebäude in der Region Luhansk.

Zerstörte Wohngebäude in der Region Luhansk.

Russische Soldaten erobern die Städte Sjewjerodonezk und Lyssytschansk und bringen damit die Donbass-Region Luhansk komplett unter ihre Kontrolle. In den eingenommenen Gebieten werden russische Pässe ausgegeben und der Rubel als Zahlungsmittel eingeführt.  

Ab Ende Juli

AKW Saporischschja unter Beschuss

Luftaufnahme des umkämpften Kernkraftwerks Saporischschja.

Luftaufnahme des umkämpften Kernkraftwerks Saporischschja.

Die Ukraine und Russland werfen sich gegenseitig gefährliche Aktionen am Atomkraftwerk Saporischschja vor. Seit März ist Europas größtes AKW von Russland besetzt, seit Ende Juli steht es wieder mehrfach unter Beschuss. Die Ukraine beschuldigt Russland, schwere Waffen und Munition im Maschinenraum eines Reaktors zu lagern. Die Angriffe wecken Angst vor einer Atomkatastrophe.  

9. August

Explosionen auf der Krim 

Der Angriff auf den Luftwaffenstützpunkt ist auch am Strand von Saki zu sehen.

Der Angriff auf den Luftwaffenstützpunkt ist auch am Strand von Saki zu sehen.

Auf der annektierten Halbinsel Krim erschüttern Explosionen einen wichtigen russischen Luftwaffenstützpunkt. Lange wird gerätselt, was sie ausgelöst hat – einen Monat später bekennt sich Kiew dazu, mit Raketen angegriffen zu haben. 

10. September

Russischer Rückzug aus Region Charkiw 

Ukrainische Bewohner*innen stehen in ihrem zerstörten Wohnhaus.

Ukrainische Bewohner*innen stehen in ihrem zerstörten Wohnhaus.

Moskau kündigt an, seine Truppen aus der Region Charkiw zurückzuziehen. Ein Erfolg für die ukrainische Gegenoffensive, die mit Hilfe westlicher Waffen die russischen Truppen im Osten und im Süden stark unter Druck setzt. 

9. November

Russland zieht Truppen aus Cherson zurück

Eine Ukrainerin feiert die Befreiung ihrer Stadt Cherson.

Eine Ukrainerin feiert die Befreiung ihrer Stadt Cherson.

Unter dem Druck der ukrainischen Gegenoffensive gibt Moskau die einzige im Krieg eroberte Gebietshauptstadt auf. Der russische Rückzug aus Cherson ist ein strategisch wichtiger Sieg für die Ukraine: Ohne Cherson hat Russland keine Möglichkeit, die Ukraine vom Schwarzen Meer abzutrennen.

Ist das jetzt der Wendepunkt?

Für Militärexperte Stephan Stetter, Professor für Internationale Politik und Konfliktforschung an der Universität der Bundeswehr München, ist tatsächlich ein Wendepunkt erreicht. Russland sei in der Süd- und Ostukraine unter „erheblichen militärischen Druck“ geraten.

Dieses Gebiet ist nicht nur zurückerobert worden, sondern die Ukraine übt weiter sehr großen Druck aus – nicht nur auf den Frontverlauf, sondern auch auf Linien dahinter und auf die gesamte militärische Strategie Russlands. Aber Russland hat nach wie vor erhebliche offensive und defensive militärische Kapazitäten und somit viel Zerstörungskraft.
Stephan Stetter, Professor für Internationale Politik und Konfliktforschung

Dennoch: Von einem zeitnahen Ende des Krieges geht Stetter nicht aus. Dafür besetze Russland weiterhin zu viel ukrainisches Territorium. Etwa ein Fünftel des Staatsgebietes sei aktuell von Russland besetzt. Sofern es nicht zu drastischen politischen Veränderungen komme und beide Parteien bereit für Verhandlungen seien, werde der Krieg noch weit bis ins Jahr 2023 andauern, schätzt der Konfliktforscher.

Wie lange der Krieg noch dauert, das vermag niemand zu sagen, aber die Ukraine ist in der Lage, diesen Krieg zu gewinnen.
Stephan Stetter, Professor für Internationale Politik und Konfliktforschung

Hier können Sie den russischen Vormarsch und Rückzug seit Kriegsbeginn nochmal im Zeitraffer-Video sehen:

Weitere Stories zum Thema:

Quellen:  
dpa, AP, AFP, Reuters

Karten:
liveuamap.com, GEOlayers 3

Fotos:
dpa, epa, AP

Redaktion:
Kathrin Wolff, Kevin Schubert

Im Auftrag des ZDF:

Autorin:
Charlotte Bauer

Redaktion:
Lea Deusch

Design:
Jens Albrecht