Der Ukraine-Krieg im Zeitraffer

Vor vier Jahren hat Russland die Ukraine überfallen. Vom 24. Februar 2022 an besetzen russische Truppen weite Teile des Landes, doch vielerorts verteidigt sich die Ukraine erfolgreich – und erobert im ersten Kriegsjahr sogar Territorium zurück.

Danach wird der Frontverlauf starrer. Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump im Januar 2025 ist es eher eine politische als eine militärische Frage, wie es in der Ukraine weitergeht.

Eine Chronologie.

24. Februar 2022

Russland greift die Ukraine an

Russische Truppen marschieren in der Ukraine ein.

Russische Truppen marschieren in der Ukraine ein.

Am frühen Morgen beginnt Russland mit Luft- und Raketenangriffen den Krieg gegen die Ukraine. Von mehreren Seiten marschieren Truppen in das Land ein. Russlands Präsident Wladimir Putin spricht von einem „militärischen Spezialeinsatz“. Die Ukraine solle „entnazifiziert“ und die russischsprachige Bevölkerung geschützt werden.  

2. März 2022

Erste ukrainische Stadt eingenommen

Zerstörte russische Hubschrauber auf dem Flugplatz in Cherson.

Zerstörte russische Hubschrauber auf dem Flugplatz in Cherson.

Russische Truppen nehmen die Stadt Cherson in der Südukraine ein. Vor allem wegen ihrer Nähe zu der von Russland annektierten Halbinsel Krim ist die Region wirtschaftlich und strategisch wichtig.   

25. März 2022

Kiew drängt russische Truppen zurück

Ukrainische Männer beseitigen Trümmer in Kiew.

Ukrainische Männer beseitigen Trümmer in Kiew.

Russland versucht, Kiew einzukreisen und Charkiw einzunehmen. Doch die ukrainische Armee wehrt sich erfolgreich. Daraufhin verkündet Russland einen Strategiewechsel: Künftig soll sich die Armee auf den Donbass in der Ostukraine konzentrieren.     

2. April 2022

Entsetzen über Massaker von Butscha

Nach dem Massaker bergen Helfer die Leichen.

Nach dem Massaker bergen Helfer die Leichen.

Nach den russischen Angriffen ist der Kiewer Vorort verwüstet. Zahlreiche Leichen von Zivilist*innen, auch von Kindern, liegen auf den Straßen. Nach ukrainischen Behördenangaben wurden mehr als 400 Menschen getötet.   

21. Mai 2022

Russische Truppen nehmen Mariupol ein

Blick aus dem zerstörten Gebäude des Sicherheitsdienstes der Ukraine in Mariupol.

Blick aus dem zerstörten Gebäude des Sicherheitsdienstes der Ukraine in Mariupol.

Russland verkündet nach wochenlanger Belagerung die Einnahme des Asow-Stahlwerks in Mariupol. Fast 2.500 ukrainische Kämpfer kommen in Kriegsgefangenschaft. Damit ist die ostukrainische Hafenstadt unter russischer Kontrolle. Sie wird durch Bomben und Beschuss fast vollständig zerstört.  

10. September 2022

Erste Erfolge der ukrainischen Gegenoffensive

Ukrainische Bewohner*innen stehen in ihrem zerstörten Wohnhaus.

Ukrainische Bewohner*innen stehen in ihrem zerstörten Wohnhaus.

Moskau kündigt an, seine Truppen aus der Region Charkiw zurückzuziehen. Ein Erfolg für die ukrainische Gegenoffensive, die mit Hilfe westlicher Waffen die russischen Truppen im Osten und im Süden stark unter Druck setzt.

30. September 2022

Russland annektiert vier ukrainische Gebiete

Putin hält Rede zur Annexion von vier ukrainischen Gebieten.

Putin hält Rede zur Annexion von vier ukrainischen Gebieten.

Russland annektiert die ukrainischen Regionen Luhansk, Donezk, Cherson und Saporischschja, ohne sie vollständig zu kontrollieren. Davor hatte Putin dort Referenden abhalten lassen, bei denen sich die Bevölkerung angeblich für einen Beitritt zu Russland aussprach. International werden diese Referenden und Annexionen als völkerrechtswidrig verurteilt.

9. November 2022

Russland zieht Truppen aus Cherson zurück

Eine Ukrainerin feiert die Befreiung ihrer Stadt Cherson.

Eine Ukrainerin feiert die Befreiung ihrer Stadt Cherson.

Unter dem Druck der ukrainischen Gegenoffensive gibt Moskau die einzige im Krieg eroberte Gebietshauptstadt auf. Der russische Rückzug aus Cherson ist ein strategisch wichtiger Sieg für die Ukraine: Ohne Cherson hat Russland keine Möglichkeit, die Ukraine vom Schwarzen Meer abzutrennen.

Zweites Kriegsjahr

Kaum Veränderungen am Frontverlauf

Dieses Feld an der Frontlinie ist nach dem Beschuss voller Krater.

Dieses Feld an der Frontlinie ist nach dem Beschuss voller Krater.

Im zweiten Kriegsjahr ist der Frontverlauf starrer. Offensiven und Gegenoffensiven treffen auf erbitterten Widerstand und enden in hohen Verlusten bei geringen Geländegewinnen.

Ab Herbst 2023 liegen die Vorteile eher auf russischer Seite.

10. Mai 2024

Russland startet Großangriff bei Charkiw

Russische Raketen haben dieses Bürogebäude im Zentrum Charkiws zerstört.

Russische Raketen haben dieses Bürogebäude im Zentrum Charkiws zerstört.

Seit Wochen steht Charkiw, die zweitgrößte Stadt der Ukraine, unter verstärktem Beschuss. Nun beginnt Russland nach Angaben aus Kiew eine massive Bodenoffensive in der Region. In der Folge erlauben die USA und Deutschland der Ukraine, von ihnen gelieferte Waffen auch gegen militärische Ziele hinter der russischen Grenze einzusetzen.

6. August 2024

Überraschungsangriff der Ukraine

Ukrainischer Soldat in der russischen Region Kursk.

Ukrainischer Soldat in der russischen Region Kursk.

Ukrainische Soldaten rücken in die russische Grenzregion Kursk vor. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärt, Russland solle den Krieg zu spüren bekommen – und will Moskau wohl zwingen, Truppen aus der Ostukraine nach Kursk zu verlegen.

20. Januar 2025

Russland verbucht Geländegewinne

Ein russischer Mehrzweckraketenwerfer feuert auf ukrainische Stellungen. (Quelle: Russisches Verteidigungsministerium via AP/dpa)

Ein russischer Mehrzweckraketenwerfer feuert auf ukrainische Stellungen. (Quelle: Russisches Verteidigungsministerium via AP/dpa)

Russland drängt zu Jahresbeginn massiv nach vorne, um vor dem Amtsantritt von US-Präsident Trump möglichst viel Land zu erobern. Vor allem im Gebiet Donezk verbucht Moskau Geländegewinne. Zudem müssen sich die ukrainischen Truppen immer weiter aus der russischen Grenzregion Kursk zurückziehen.

20. November 2025

Friedensplan der USA

Selenskyj und Trump am 28. Dezember in Florida.

Selenskyj und Trump am 28. Dezember in Florida.

Die USA übermitteln der Ukraine einen Friedensplan. Er sieht unter anderem vor, dass die Gebiete Donezk und Luhansk sowie die Krim de facto als russisch anerkannt werden. Damit müsste die Ukraine auch Gebiete in Donezk abgeben, die sie noch kontrolliert. In den Folgewochen wird der Plan überarbeitet, im Dezember trifft Selenskyj Trump.

15. Februar 2026

Größte Geländegewinne der Ukraine seit 2023

Ukrainische Soldaten bei Charkiw.

Ukrainische Soldaten bei Charkiw.

Die Ukraine hat innerhalb von fünf Tagen einer Analyse zufolge netto 63 Quadratkilometer zurückgewonnen – der höchste Wert in so kurzer Zeit seit Sommer 2023. Das amerikanische Institute for the Study of War (ISW) führt das darauf zurück, dass der Zugang zum Satellitensystem Starlink für die russischen Streitkräfte seit Anfang Februar blockiert ist.

Wie ist die Lage jetzt?

Vier Jahre nach Kriegsbeginn kontrolliert Russland knapp ein Fünftel der Ukraine. In den jüngsten Geländegewinnen Kiews sieht Christian Mölling, Direktor des Think Tanks European Defence in a New Age (EDINA), „keinen größeren militärischen Vorteil, der eine entscheidende Veränderung bringen würde“. Obwohl sich die USA aus der direkten Unterstützung der Ukraine zurückgezogen hätten, lägen die strategischen Hebel weiter in Washington.

Trump drängt auf eine Einigung bis Juni, daher gibt es Gespräche zwischen Vertretern Russlands und der Ukraine. „Das ist aber nicht unbedingt ein positiver Weg nach vorne“, sagt Mölling. Bisher brachten die Verhandlungen keine Ergebnisse oder auch nur Annäherungen.

Größter Knackpunkt ist die Zukunft des Donbass, den Moskau komplett für sich beansprucht. Selenskyj dürfte ein Friedensabkommen und vor allem die Abgabe des Donbass an eine Volksabstimmung knüpfen. „Das wäre ein kluger Schachzug“, sagt Mölling. „Denn die Ukrainer werden Gebietsabtretungen kaum zustimmen, und dann hat Trump schlechte Karten.“

Ob der Krieg also wie vom US-Präsidenten gewünscht bis zum Sommer endet, ist zurzeit nicht absehbar. „Unter Trump ist alles möglich“, sagt Mölling. Seit dessen Amtsantritt erlebe die Ukraine eine „ständige Achterbahnfahrt“.

Wegen des Krieges haben Millionen Ukrainer*innen ihr Land verlassen. Mehr dazu im Grafikvideo:

Über den Ukraine-Krieg berichtet das ZDF regelmäßig in seinen Nachrichtensendungen, u. a. donnerstags in einem Ukraine-Update von ZDFheute live.

Quellen:  
dpa, AP, AFP, Reuters, Bundeszentrale für politische Bildung, Interview mit Christian Mölling, Direktor des Think Tanks European Defence in a New Age (EDINA)

Karten:
mmm, GEOlayers 3, liveuamap.com

Fotos:
dpa, epa, AP, Reuters, AFP

Autoren:
Kathrin Wolff, Kevin Schubert

Redaktion:
Petra Riffel

Im Auftrag des ZDF:

Mitarbeit:
Anne-Kathrin Dippel

Redaktion:
Lea Deusch, Marielle Klein

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