Was wir aus Pandemien und Seuchen gelernt haben

Und warum Corona wohl trotzdem nicht die letzte Pandemie sein wird

Der Kampf gegen Massenerkrankungen wie z.B. die Pest, Cholera, die Spanische Grippe, die Pocken oder aktuell Corona, gehört zur Menschheitsgeschichte.

Einen direkten Vergleich sollte man auf Grund der unterschiedlichen Kontexte laut Historiker*innen nicht ziehen. Dennoch haben uns die Erfahrungen und Erkenntnisse von damals, heute im Kampf gegen Corona geholfen. Und trotzdem wird die Corona-Pandemie wohl nicht die letzte sein. 

Die Beulenpest  bekannt als „Schwarzer Tod“ (1347-1353)  -	Erreger: Bakterium Yersinia pestis  -	Herkunft: vermutlich die russische Steppe am Kaspischen Meer    -	Ursprung: vermutlich in einem Rattenfloh   -	Übertragung: primär über Flöhe und Läuse   -	Symptome: Erbrechen, Fieber, Schwellungen der Lymphknoten  -	Todesopfer: Schätzungsweise bis zu 50 Millionen allein in Europa , das entspricht rund 60 Prozent der damaligen Bevölkerung  -	Heutiges Vorkommen: vereinzelt, bspw. auf Madagaskar
Die Beulenpest  bekannt als „Schwarzer Tod“ (1347-1353)  -	Erreger: Bakterium Yersinia pestis  -	Herkunft: vermutlich die russische Steppe am Kaspischen Meer    -	Ursprung: vermutlich in einem Rattenfloh   -	Übertragung: primär über Flöhe und Läuse   -	Symptome: Erbrechen, Fieber, Schwellungen der Lymphknoten  -	Todesopfer: Schätzungsweise bis zu 50 Millionen allein in Europa , das entspricht rund 60 Prozent der damaligen Bevölkerung  -	Heutiges Vorkommen: vereinzelt, bspw. auf Madagaskar
Die Beulenpest  bekannt als „Schwarzer Tod“ (1347-1353)  -	Erreger: Bakterium Yersinia pestis  -	Herkunft: vermutlich die russische Steppe am Kaspischen Meer    -	Ursprung: vermutlich in einem Rattenfloh   -	Übertragung: primär über Flöhe und Läuse   -	Symptome: Erbrechen, Fieber, Schwellungen der Lymphknoten  -	Todesopfer: Schätzungsweise bis zu 50 Millionen allein in Europa , das entspricht rund 60 Prozent der damaligen Bevölkerung  -	Heutiges Vorkommen: vereinzelt, bspw. auf Madagaskar
Die Beulenpest  bekannt als „Schwarzer Tod“ (1347-1353)  -	Erreger: Bakterium Yersinia pestis  -	Herkunft: vermutlich die russische Steppe am Kaspischen Meer    -	Ursprung: vermutlich in einem Rattenfloh   -	Übertragung: primär über Flöhe und Läuse   -	Symptome: Erbrechen, Fieber, Schwellungen der Lymphknoten  -	Todesopfer: Schätzungsweise bis zu 50 Millionen allein in Europa , das entspricht rund 60 Prozent der damaligen Bevölkerung  -	Heutiges Vorkommen: vereinzelt, bspw. auf Madagaskar

Wie konnte sich die Pest verbreiten?

Wie bei heutigen Infektionskrankheiten spielte Mobilität eine entscheidende Rolle in der Verbreitung. Die Pest breitete sich zuerst entlang von Handelsrouten aus. So wurden Knotenpunkte wie Venedig zu ersten Hotspots.

Mittelalterliche Darstellung, kontaminierte Kleidung wird verbrannt
Pesttote werden begraben
Mittelalterliche Darstellung, kontaminierte Kleidung wird verbrannt
Pesttote werden begraben

Wie ist man gegen die Pest vorgegangen?

„Man wusste schon damals: Seuchen sind soziale Krankheiten“, so der Medizinhistoriker Heiner Fangerau, „das heißt: Seuchenbekämpfung funktioniert nur, wenn in das soziale Leben eingegriffen wird.“
Diese Erkenntnis wenden wir auch heute an. Im Mittelalter sahen die Maßnahmen jedoch anders aus:

Betroffene Häuser wurden verbarrikadiert und ausgeräuchert. Kleider wurden verbrannt und Pestkranke so gut es ging gereinigt. Betroffene Städte und ganze Regionen wurden, teils militärisch, isoliert.

Aus dieser Zeit stammt auch der Begriff Quarantäne. In Venedig mussten Handelsschiffe „Pestzertifikate“ vorweisen, um zu belegen, dass sie nicht aus einem Seuchengebiet kamen. Andernfalls durften sie 40 (ital.: quaranta) Tage nicht anlegen.

Dass hinter dem Pesterreger ein Bakterium steckt, wurde erst rund 500 Jahre später entdeckt.

Mediziner, allen voran Robert Koch, erforschten im späten 19. Jahrhundert, dass Bakterien Krankheiten verursachen können. Eine wichtige Erkenntnis bis heute.

Wieder als Steckbrief  Cholera  -	Erreger: Bakterium Vibrio cholerae   -	Herkunft:  vermutlich das indische Ganges-Delta , Zeitraum unklar  -	Ursprung:  Unklar, vermutlich in verunreinigtem Wasser   -	Übertragung: primär durch verunreinigtes Wasser und Essen   -	Symptome: in wenigen Fällen sehr schwerer Durchfall und Erbrechen   -	Todesopfer: aktuell geschätzt 21 000 bis 143 000 Todesfälle im Jahr   -	Heutiges Vorkommen: in mehreren  Ländern, z. B., Jemen und Bangladesch.
Wieder als Steckbrief  Cholera  -	Erreger: Bakterium Vibrio cholerae   -	Herkunft:  vermutlich das indische Ganges-Delta , Zeitraum unklar  -	Ursprung:  Unklar, vermutlich in verunreinigtem Wasser   -	Übertragung: primär durch verunreinigtes Wasser und Essen   -	Symptome: in wenigen Fällen sehr schwerer Durchfall und Erbrechen   -	Todesopfer: aktuell geschätzt 21 000 bis 143 000 Todesfälle im Jahr   -	Heutiges Vorkommen: in mehreren  Ländern, z. B., Jemen und Bangladesch.

Wo kommt der Erreger vor?

Der Cholera-Erreger fühlt sich dort besonders wohl, wo schlechte Hygiene herrscht und es keinen Zugang zu sauberem Wasser gibt.

So auch in Teilen Deutschlands vor rund 130 Jahren. Robert Koch soll 1892 bei einem Gang durch das Cholera-geplagte Hamburg gesagt haben:

„Ich habe noch nie solche ungesunden Wohnungen, Pesthölen und Brutstätten für jeden Ansteckungskeim angetroffen.“

Was hat man aus der Cholera-Bekämpfung gelernt?

Mit der Cholera setzte sich laut Einschätzungen des Historikers Heiner Fangerau ein neues Bewusstsein durch: Es reicht nicht, allein gegen den Keim vorzugehen, sondern die Lebensumstände müssen sich verbessern.

Welche Maßnahmen wurden langfristig ergriffen? 

  • zentrale Trinkwasserkontrollen wurden eingeführt 
  • Ärzte achteten auf gute Ernährung  
  • Es wurde mehr Wohnraum geschaffen 
  • Hygienemaßnahmen wurden verbessert 
  • Kanalisationen wurden ausgebaut 

34 Jahre nachdem Robert Koch die Ansteckung durch Cholera-Bakterien bewiesen hatte, traf die Menschheit die Spanische Grippe.

Die Spanische Grippe gilt als bislang schwerste Grippe-Pandemie. Sie brach während des Ersten Weltkriegs aus und forderte auf der ganzen Welt Todesopfer – allein in Deutschland um die 300.000.

Die sozialdemokratische Zeitung Vorwärts berichtet 1918:

„Die Krankenhäuser sind … so überfüllt, daß selbst Schwerkranke oft keine Aufnahme finden können.“

Wie war die damalige Situation?

Als die Pandemie Deutschland traf, befand sich das Land im Ersten Weltkrieg. Es fehlte an Pflegepersonal und medizinischer Versorgung, so der Historiker Eckart Michels von der University of London. Ohnehin war die Versorgungslage in der Bevölkerung durch den Krieg schlecht.

Wie wurde mit der Pandemie umgegangen?

Sie fand in der öffentlichen Wahrnehmung kaum statt – sie wurde von der Politik sogar eher heruntergespielt, so Historiker*innen. Mögliche Gründe:

  • der Erreger war unbekannt, man wusste nicht genau, wie man ihn effektiv bekämpft
  • um von schlechtem Krisenmanagement abzulenken
  • um die kriegsmüde Bevölkerung nicht weiter zu belasten

Wurden flächendeckend Maßnahmen angeordnet?

Ähnlich wie heute standen Gegenmaßnahmen gegen die Spanische Grippe im Raum. Der Historiker Marc Hieronimus von der TH Köln zitiert dazu ein Schreiben des Staatsministeriums des Inneren an das Gesundheitsamt von 1918:

„Ein allgemeines Verbot von Menschenansammlungen empfiehlt sich nicht, weil der dadurch erzielte Vorteil in keinem Verhältnis zu den wirtschaftlichen Nachteilen stehen würde.“

So gab es damals auf Reichs-Ebene:

  • keine Meldepflicht für Kranke
  • keine Schulschließungen
  • keine Schließung von Theatern oder Kinos

Einen Impfstoff gegen die Spanische Grippe gab es damals nicht. Wie wichtig der jedoch für die Bekämpfung von Infektionskrankheiten sein kann, zeigte sich Ende der 1970er Jahre, als die Pocken ausgerottet werden konnten.

Wie war der Sieg über die Pocken möglich?

Die Pocken sind eine der tödlichsten Seuchen. Sie treten nur beim Menschen auf – ein entscheidender Faktor, um sie auszurotten. Andere Krankheiten, zum Beispiel Corona, können auch auf Tiere übertragen werden.

Angesichts Millionen Toter intensivierte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihre Bemühungen im Kampf gegen die Krankheit. Ein besonderer Fokus waren Entwicklungsländer. Einen Impfstoff gab es bereits. Er musste aber noch in die Welt verteilt werden. Innerhalb von 13 Jahren konnten so die Pocken besiegt werden.

Die Maßnahmen werden in der Epidemiologie als Erfolg bewertet. Diese Faktoren halfen dabei:

  • Einsatz der WHO
  • internationale Zusammenarbeit
  • mehrsprachige Impfkampagne
  • weltweite Impfbereitschaft

Was bei den Pocken möglich war, wird bei Corona ganz anders sein. Schon im Mai 2020 hat der Nothilfekoordinator der WHO folgende Prognose gegeben: „Dieses Virus kann in der Bevölkerung heimisch werden, es kann sein, dass es nie mehr verschwindet.“

Ein großer Vorteil heute: wir profitieren von der modernen Medizin. Laut Medizinhistoriker Heiner Fangerau sind das die entscheidenden Punkte:

  • Schnelle Fortschritte beim Erforschen des Virus
  • Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten
  • Internationale Hilfe und weltweiter wissenschaftlicher Austausch

Worin sich die Seuchen-Verläufe teilweise ähneln:

  • Erste Verbreiter*innen sind Menschen mit hoher Mobilität
  • Bevölkerungsgruppen, die in ärmeren Verhältnissen leben, sind nach erster Ausbreitung besonders betroffen
  • Fakenews gab es damals wie heute
  • Quarantänemaßnahmen werden getroffen

Warum wird Corona laut Experten nicht die letzte Pandemie sein?

  • zunehmender internationaler Verkehr
  • Hohe Bevölkerungszahlen und dichte Besiedlung
  • Antibiotikaresistente Keime
  • Eindringen in natürliche Lebensräume von Tieren (wo es zu Krankheitsübertragungen kommen kann)

Quellen:
Professor Ole Benedictow, History Today, "The Black Death"; Centrum für Naturkunde, Universität Hamburg; Vorwärts, 13.10.1918; Johnson, N & Müller, J. "Updating the Accounts: Global Mortality of the 1918-1920 Spanish Influenza Pandemic"; Friedrich-Ebert-Stiftung; Caris-Petra Heidel, "Seuchengeschichte", Bundeszentrale für politische Bildung; Spektrum; Charité; Center for Disease Control and Prevention; Johns-Hopkins-University; Prof. Heiner Fangerau; Prof. Martin Dinges, "Corona ist wirklich nicht die Pest", Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart; Eckard Michels, "Die Spanische Grippe 1918/1919", Vierteljahresheft für Zeitgeschichte; Marc Hieronimus, "Krankheit und Tod 1918: Zum Umgang mit der Spanischen Grippe in Frankreich, England und in dem Deutschen Reich"; Robert-Koch-Institut; Weltgesundheitsorganisation (WHO)

Fotos:
ap/Matthias Schrader; ap/national museum of health; ap; dpa/robert-koch-institut; dpa/rolf vennenbernd ; dpa/cynthia goldsmith; dpa; gettyimages/Hulton Archive/Stringer; iStock/ktsimage; iStock/narvikk; Museum für Hamburgische Geschichte

Redaktion:
Jennifer Werner, Karsten Kaminski

Im Auftrag des ZDF:
Autor:
Jonas Becker

Redaktion:
Christoph von Massow

Design:
Jens Albrecht, Lennart Nölle