Tonnenweise Hausmüll

Was uns unsere Mülltonnen über die Corona-Pandemie verraten

„Die Kombination von Lockdown, Homeoffice, aber auch viel Arbeit im Haushalt, hat zu deutlich mehr Haushaltsmüll geführt“, sagt der Hamburger Experte für Abfallwirtschaft Prof. Walter Leal.

Schnell denkt man dabei an Einweg-Masken, Online-Bestellungen oder Pizza-Kartons. Doch es ist noch mehr – die Pandemie spiegelt sich in unseren Mülltonnen wider.

Bundesweite belastbare Zahlen zum Anstieg des Hausmülls im ersten Pandemie-Jahr gibt es zwar noch nicht, unsere Anfragen bei Kommunen und Entsorgern zeigen allerdings einen klaren Trend.

Auf einem Streifzug durch deutsche Großstädte schauen wir exemplarisch in die Mülltonnen. Alle Beispiele zeigen eine Entwicklung, die sich ähnlich auch in den anderen Städten widerspiegelt.

Müll in Frankfurt im Vergleich: März 2019 – April 2020:  37.391 Tonnen   März 2020 – April 2021: 35.953 Tonnen
Kartonanteil ist um 8% gestiegen

Der Online-Handel hat in der Pandemie enorm zugenommen, damit schoss auch die Zahl der Versandkartons in die Höhe.

In Frankfurt kann man das aber nicht am Gewicht der Papiertonne ablesen. Insgesamt wurde hier sogar weniger Papiermüll gewogen. Warum?

Unser Papierverbrauch hat sich generell verlagert: „In der Branche wird dieses Phänomen als ‚Amazon-Effekt‘ bezeichnet“, sagt Michael Schneider vom Entsorgungsbetrieb Remondis: weniger Papier und dafür mehr Karton.

Viele Haushalte stehen deshalb vor vollen Papiertonnen. Dass der Papiermüll insgesamt weniger wurde, liegt an der Berechnung:

Das Müllaufkommen wird in der Regel nach Gewicht gemessen. Karton hat eine geringere Dichte als Papier. Dafür aber ein größeres Volumen. Vor allem, wenn Versandkartons nicht zusammengefaltet werden: Sie wiegen weniger, verbrauchen aber mehr Platz im Mülleimer. In den Frankfurter Papiertonnen beispielsweise stieg der Karton-Anteil um acht Prozent.

Plastikmüll in Köln: 2019: 28.054 Tonnen  2020: 29.855 Tonnen  +6,4 %

Ein Blick nach Köln zeigt: Unser Plastikverbrauch ist in der Pandemie gestiegen.

Zu den Gründen gehört:

• mehr Take-Away-Essen, geliefert mit Einwegbesteck und in Plastiktüten
• mehr Plastikmüll beim Kochen durch kleinteilig verpackte Zutaten
Quelle: Umweltbundesamt

Das Umweltbundesamt befürchtet zudem, dass Vorsätze, Plastik zu vermeiden, in der Pandemie eine geringere Rolle gespielt haben.

Glasmüll in Dresden: 2019: 11.551 Tonnen 2020: 13.086 Tonnen

Geschlossene Bars, Restaurants und Hotels haben auch unsere Trinkgewohnheiten zuhause beeinflusst und zu deutlich mehr Altglas in privaten Haushalten geführt. Die Stadt Dresden hat das bereits berechnet. Hier ist die Glasmüllmenge deutlich gestiegen.

Neben leeren Wein-, Öl- und Essigflaschen spielen auch Lebensmittel in Gläsern eine Rolle beim Anstieg des Altglases in der Corona-Krise.

Der Verwertungsbetrieb Remondis beobachtet das gestiegene Glasmüllaufkommen bundesweit, rechnet aber mit einem Rückgang, sobald die Gastronomie, Bars und Clubs wieder vollständig geöffnet sind.

Biomüll in Hamburg: 2019: 69.731 Tonnen 2020: 76.921 Tonnen  +8 %

Der Blick in die Mülltonnen in Hamburg zeigt: Wir haben häufiger zu Hause gekocht und dadurch sind letztlich mehr Essenreste im Biomüll gelandet.

Die Stadtreinigung Hamburg macht aber noch einen anderen Trend für die Zunahme des Biomülls verantwortlich:

„Das gute Wetter gepaart mit den Homeoffice-Zeiten und der eingeschränkten Freizeitmöglichkeiten führte zu mehr Gartenarbeit.
Stadtreinigung Hamburg