Der Machtkampf
um die Arktis

Der Machtkampf um die Arktis

Auf den Weltkarten liegt die Arktis im Randbereich. Nun will US-Präsident Donald Trump Grönland „unbedingt“.

Warum ist die Region um den Nordpol strategisch so wichtig geworden? Es geht um Sicherheit, Rohstoffe und Schifffahrtswege.

Ein Überblick in Karten.

Die Arktis-Anrainerstaaten dürfen eine ausschließliche Wirtschaftszone von rund 370 Kilometern vor ihrer Küste beanspruchen.

Doch ihre Gebietsansprüche gehen darüber hinaus – und überlappen sich zum Teil.

Das Militär

Laut Trump brauchen die USA Grönland für die „nationale Sicherheit“, zur „Verteidigung“. Einen Militärstützpunkt haben sie dort bereits, die Pituffik Space Base im Nordwesten.

Insgesamt gibt es in der Arktis zahlreiche Militärstützpunkte – von Nato-Staaten und von Russland.

„Russland hat militärisch ein deutliches Übergewicht in der Arktis“, sagt Dr. Michael Paul, Arktis-Experte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik. Die Russen seien in der Region traditionell viel stärker vertreten. „Sie haben mehr als 40 Eisbrecher, die USA zwei.“

Moskau rüste seit 2007 in der Arktis auf. „Die Amerikaner und die Europäer haben dagegen wenig getan, um ihre Militärfähigkeiten dort zu modernisieren.“

Die Befürchtung sei nun, dass Russen oder Chinesen von Schiffen im Nordpolarmeer Marschflugkörper oder Hyperschallraketen auf die USA abschießen könnten. „Um sich vor diesem Szenario zu schützen, brauchen die Amerikaner aber nicht Grönland“, sagt Paul. „Es reicht, wenn sie ihre Streitkräfte dort ausbauen und modernisieren.“

Die Rohstoffe

Die Arktis ist reich an Bodenschätzen. Und durch den Klimawandel schmilzt das Eis. Die Region erwärmt sich viermal so schnell wie mittlere Breitengrade. Dadurch könnten die Ressourcen des Nordpolarmeers leichter zugänglich werden.

Fachleute vermuten große Öl- und Gasvorkommen in der Arktis. Außerdem lagern dort Seltene Erden sowie weitere und wertvolle Rohstoffe wie Gold, Kupfer und Grafit, etwa in Grönland.

Der Abbau der Rohstoffe sei aber schwierig, sagt Paul – und werde es trotz des Klimawandels bleiben.

Die Schiffsrouten

Durch die Erderwärmung wird die Arktis auch für die Schifffahrt interessanter – allerdings erst langfristig.

Vor Russland verläuft die Nordostpassage. Dort fahren Containerschiffe, doch die Bedingungen sind widrig. Ein regulärer Frachtverkehr sei auf absehbare Zeit nicht möglich, sagt Paul.

Auf der Nordwestpassage gebe es nur Binnenverkehr, erklärt Paul. Zuletzt sei sie sogar schlechter passierbar geworden. „Die Kanadier sagen: ‚Less ice means more ice.‘“ Das bedeutet, dass zwar das langjährige Eis schmilzt, sich aber einjähriges Eis durch verstärkte Winde und Meeresströmungen zu Packeis zusammenballen und Schifffahrtswege blockieren kann.

Ab den 2030er- oder 2040er-Jahren könnten sich die Bedingungen für die Schifffahrt verbessern. Fachleute sehen dann großes Potenzial in der Transpolaren Route, die unter anderem die Wege von China nach Europa deutlich verkürzen würde.

„China wird in der Arktis immer präsenter“, sagt Paul. Dabei spielten sowohl zivile als auch militärische Interessen eine Rolle. Peking sehe den Arktischen Ozean als Teil der polaren Seidenstraße – und als Alternativroute, falls die USA nach einer Taiwan-Invasion die Straße von Malakka in Südostasien blockieren würden.

Schmelzendes Eis, Rohstoffe, eine strategisch wichtige Lage: Die Situation in der Arktis sei „komplex“, sagt Paul. Die Region ist vom Rand der Weltkarten in den Fokus der internationalen Politik gerückt.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute in dem Beitrag „Ansprüche, Ressourcen und Sicherheit in der Arktis“ am 16.01.2026 um 15 Uhr :

Quellen:
Interview mit Dr. Michael Paul, Stiftung Wissenschaft und Politik; Auswärtiges Amt; dpa; AFP; Reuters

Karten:
Durham University; U.S. Army; The Simons Foundation Canada; Geological Survey of Denmark and Greenland; Alfred-Wegener-Institut; Meereisportal

Fotos:
iStock/Imagebear, Sergey Zemnuhov; dpa/Thomas Traasdahl

Autorin:
Kathrin Wolff

Redaktion:
Delia Thomas

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