Corona-Maßnahmen ohne Wirkung?

Die Kombination macht es aus, zeigt das Schweizer-Käse-Modell

Um die Verbreitung von Corona zu vermeiden, werden in Deutschland verschiedene Maßnahmen beschlossen und empfohlen.

Trotzdem stecken sich weiterhin viele Menschen an.

Folgendes Modell zeigt anhand von Käsescheiben, warum einzelne Maßnahmen Schwächen haben, aber das Zusammenspiel der Maßnahmen das Infektionsrisiko minimiert.

Coronaviren treffen auf eine Person, weil keine Maßnahme ergriffen wurde
Corona-Maßnahme (Sicherheitsbarriere)
Löcher im Käse stellen die Schwächen in den Maßnahmen dar
Durch die Löcher (den Schwächen in den Maßnahmen) geht ein Pfeil, der für eine Infektion steht
Coronaviren durchdringen Käselöcher, andere prallen an den Maßnahmen ab
Vier Käsescheiben, die Viren gehen durch die Löcher, andere prallen an den Maßnahmen ab
Von den vier Käsescheiben werden zwei weggenommen, dadurch treffen die Viren auf die Person
Vier Käsescheiben
Die Maßnahmen werden verbessert, dadurch werden die Löcher im Käse kleiner
Vier Käsescheiben, die Löcher werden kleiner "Maßnahmen verschärfen"

Das Schweizer-Käse-Modell

Jede Käsescheibe steht für eine Maßnahme. Diese sollen die Neuinfektionen verhindern.

Modell von Käsescheiben: Maßnahmen sind angezeichnet: Lüften, Abstandsregeln, Hygieneregeln, Maskenpflicht, Testen von Verdachtsfällen, Kontaktpersonen nachverfolgen

Maßnahmen sind nicht perfekt

Das Schweizer-Käse-Modell besagt, dass jede Scheibe Käse Löcher hat. Das sind Imperfektionen.
Prof. Dr. Melanie Brinkmann, Virologin, TU Braunschweig

Übertragen auf die Coronakrise stehen die Löcher im Käse für mögliche Schwächen, die mal größer und mal kleiner sein können.

Das kann an den Maßnahmen selbst liegen, oder die Durchführung ist falsch, so die Virologin Prof. Dr. Melanie Brinkmann.

Beides kann zu Neuinfektionen führen.

Mehrere Maßnahmen vermindern einzelne Schwachstellen

Wenn wir die [Maßnahmen] alle hintereinanderschalten,
können wir uns immer besser vor diesem Virus schützen.
Prof. Dr. Melanie Brinkmann, Virologin an der TU Braunschweig

Dadurch minimiert sich das Risiko, dass sich eine Person infiziert.

Werden jedoch einzelne Maßnahmen weggelassen, steigt das Infektionsrisiko wieder.

Das heißt: Die Kombination der Maßnahmen ist ausschlaggebend. Zusätzlich müssen die Schwächen in den einzelnen Maßnahmen aber auch verringert werden.

Was kann man tun?
1. Maßnahmen verbessern

Wir können uns auch dadurch schützen, dass wir Löcher verkleinern. Das Contact-Tracing (Kontaktnachverfolgung) zum Beispiel: Das müssen wir jetzt wieder in den Griff bekommen, aber wir müssen uns auch verbessern. Wir müssen da einfach schneller werden. Wir laufen ja immer hinterher.
Prof. Dr. Melanie Brinkmann, Virologin an der TU Braunschweig

2. Maßnahmen verschärfen

Um die Löcher zu verkleinern, können auch einzelne Maßnahmen verschärft werden. Das sagt Prof. Dr. Johannes Knobloch, Facharzt für Mikrobiologie am UKE in Hamburg. Die aktuell geltenden Kontaktbeschränkungen seien letztlich nur eine Verschärfung der schon lange geltenden Abstandsregeln.

Maßnahmen müssen ständig überprüft werden

Daher kann die Reaktion auf eine Pandemie nie starr sein.

Viele der Maßnahmen, die die Bundesregierung gemeinsam mit den Bundesländern beschlossen hat, finden sich im nationalen Pandemieplan. Zu Beginn der Corona-Krise wurde dieser angepasst und ergänzt. Der Plan definiert das grundsätzliche Vorgehen des Staates im Fall einer Pandemie und teilt die Pandemiebekämpfung in drei Phasen ein:

  • Containment (Eindämmung)
  • Protection (Schutz von z. B. Risikogruppen)
  • Mitigation (Folgenminderung)

Jede dieser Phasen beinhaltet unterschiedliche Maßnahmen.

Der Übergang zwischen den Phasen ist fließend. So kommt es, dass auch in späteren Phasen Maßnahmen aus den früheren Phasen angewendet werden.

Die Lage erfordert also eine ständige Anpassung.

Quellen:
Reason J. Human Error. Cambridge: Cambridge Univ. Pr., 1990.; Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin; Prof. Dr. Melanie Brinkmann, Arbeitsgruppenleiterin des Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung; Prof. Dr. Johannes Knobloch, Facharzt für Mikrobiologie am UKE in Hamburg; Larouzee J. Good and bad reasons: The Swiss cheese model and its critics. Safety Science. Vol. 126. Juni 2020; Nationale Pandemieplan Teil 1 und
Teil 2

Redaktion:
Jennifer Werner, Robert Meyer

Im Auftrag des ZDF:

Autor*innen:
Ella Böhm, Christoph von Massow

Redaktion:
Sophie Gülzow

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