Corona-Impfstoffe

Welche Nebenwirkungen sind bekannt?

Trotz Fortschritten bei der Impfkampagne warnen Expert*innen vor einer Impf-Müdigkeit. Denn die Ausbreitung der besonders ansteckenden Delta-Variante macht laut Berechnungen des Robert-Koch-Instituts eine Impfquote von 85 Prozent erforderlich. Die Impfungen pro Tag gehen aber zurück.

Das Problem:

Jede*r Zehnte der noch nicht Geimpften gibt laut RKI an, dass er*sie sich „auf keinen Fall” impfen lassen will. Einige davon haben Sorge, dass zu wenig über die Nebenwirkungen bekannt ist.

Der aktuelle Stand:

Die meisten Daten zu den gängigen Nebenwirkungen stammen aus den klinischen Zulassungsstudien, die vor Impfstart durchgeführt wurden.
Der Großteil der häufigen Nebenwirkungen aus den Zulassungsstudien, so der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) Prof. Dr. Klaus Cichutek, hat sich im Alltag bestätigt. Das PEI ist für die Sicherheit der Impfstoffe zuständig.

Was ist über die Nebenwirkungen bekannt?

Beobachtete Nebenwirkungen beim Biontech/Pfizer-Impfstoff *:  Schmerzen an der Einstichstelle (> 80 % der Geimpften), Abgeschlagenheit (> 60 %), Kopfschmerzen (> 50 %),  Muskelschmerzen (> 30 %), Frösteln (> 30 %),  Gelenkschmerzen (> 20 %),  Schwellungen an der Injektionsstelle und Fieber (> 10 %)  Erbrechen (> 1 %),  Lymphknotenschwellungen gelegentlich (weniger als 1 %). Ergebnisse der klinischen Prüfungen zur Zulassung; Geimpfte >16 Jahre; Anzahl der Probandinnen und Probanden der klinischen Prüfungen (Phase 3): 43.564
Beobachtete Nebenwirkungen beim Biontech/Pfizer-Impfstoff *:  Schmerzen an der Einstichstelle (> 80 % der Geimpften), Abgeschlagenheit (> 60 %), Kopfschmerzen (> 50 %),  Muskelschmerzen (> 30 %), Frösteln (> 30 %),  Gelenkschmerzen (> 20 %),  Schwellungen an der Injektionsstelle und Fieber (> 10 %)  Erbrechen (> 1 %),  Lymphknotenschwellungen gelegentlich (weniger als 1 %).Ergebnisse der klinischen Prüfungen zur Zulassung; Geimpfte >16 Jahre; Anzahl der Probandinnen und Probanden der klinischen Prüfungen (Phase 3): 43.564
Beobachtete Nebenwirkungen beim Moderna-Impfstoff *:  Schmerzen an der Einstichstelle (>90 %),  Abgeschlagenheit (70 %),  Kopf- und Muskelschmerzen (> 60 %),  Gelenkschmerzen und Schüttelfrost (> 40 %),  Übelkeit oder Erbrechen (>20 %) Lymphknotenschwellung in der Achselhöhle (>10 %) Fieber (>10 %) Schwellung und Rötung an der Einstichstelle (>10 %) allgemeinen Ausschlag, Ausschlag und Nesselsucht an der Einstichstelle (1 % –10 %) Juckreiz an der Einstichstelle (0,1 % – 1 %). Ergebnisse der klinischen Prüfungen zur Zulassung; Geimpfte >18 Jahre; Anzahl der Probandinnen und Probanden der klinischen Prüfungen (Phase 3): 30.420

Nur der Impfstoff von Biontech ist für Kinder ab 12 Jahren freigegeben. Hierfür wurde der Impfstoff in dieser Altersgruppe in klinischen Studien mit tausenden Teilnehmer*innen erprobt. Die anderen Impfstoffe sind noch nicht für Kinder zugelassen.

Für Erwachsene sind noch drei weitere Impfstoffe freigegeben:

Bereits in den klinischen Studien hat man festgestellt:

1. Jüngere zeigen häufiger Nebenwirkungen als Ältere

2. Bei mRNA-Impfstoffen (Biontech und Moderna) treten sie häufiger nach der zweiten Impfung auf

3. Beim Vektorimpfstoff von Astrazeneca sind sie bei der zweiten Dosis seltener und milder

In den klinischen Studien wurden die Impfstoffe an einem ausgedehnten Personenkreis getestet. Trotzdem fehlen bei einigen Impfstoffen noch aussagekräftige Daten zu bestimmten Personengruppen, wie zum Beispiel:

Grafische Darstellung: Kinder, Schwangere, Menschen mit Immunerkrankungen

Beobachtungen seit Impfstart

Seit Beginn der Impfkampagne beobachtet das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) die Nebenwirkungen in der Praxis.
Dabei liegt der Fokus aktuell auf der Untersuchung von Verdachtsfällen seltener Nebenwirkungen und ob sie in direktem Zusammenhang mit der Impfung oder nur zufällig auftreten.

Sehr häufig: z. B. Kopfschmerzen Häufig: Rötung an Einstichstelle Gelegentlich: Juckreiz an Einstichstelle Selten: akute Gesichtslähmung Sehr selten: allergische Überreaktion

Was ist über die sehr seltenen Nebenwirkungen bekannt?

Aufgetretene, sehr seltene Nebenwirkungen: Akute Gesichtslähmung. Bei 85 Prozent der Betroffenen nach einigen Wochen wieder verschwunden
Aufgetretene, sehr seltene Nebenwirkungen:  Akute Gesichtslähmung. Bei 85 Prozent der Betroffenen nach einigen Wochen wieder verschwunden. Allergische Überreaktion. Vereinzelt schwerwiegend oder lebensbedrohlich.

Die seltenen Gesichtslähmungen beobachtete man bei den mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna bereits während der klinischen Studien bei 0,1 bis 0,01 % der Geimpften.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie hält einen kausalen Zusammenhang für unwahrscheinlich.

Das Paul-Ehrlich-Institut sieht nach Auswertung der aktuellen Datenlage trotz der aufgetretenen Überempfindlichkeitsreaktionen kein allgemein erhöhtes Risiko für Personen mit allergischen Erkrankungen.

Allerdings sollten Menschen, die Reaktionen auf die erste Impfung hatten oder Allergien gegen Inhaltsstoffe haben, (z. B. gegen Polyethylenglykol bei den mRNA-Impfstoffen) nicht geimpft werden.

Auch Thrombosen treten in sehr seltenen Fällen im zeitlichen Zusammenhang mit allen Corona-Schutzimpfungen auf.

In sehr seltenen Fällen wurden Thrombosen-mit-Thrombozytopenie-Syndrom (TTS) beobachtet. Das heißt: Zu den Thrombosen, die u. a. im Gehirn auftreten können (Hirnvenenthrombosen), kommt eine gefährlich verringerte Zahl roter Blutkörperchen (Thrombozytopenie) hinzu.

Zeitliches Auftreten:
Meistens innerhalb von drei Wochen nach der ersten Impfung

Bisherige Fälle
min. 162, davon 27 Todesfälle (Stand: 29.06.2021). Ob ein kausaler Zusammenhang besteht, wird noch untersucht.

Mit diesen Symptomen zum Arzt:
- starke oder anhaltende Kopfschmerzen
- verschwommenes Sehen
- Krämpfe
- Kurzatmigkeit
- Schmerzen in Bauch, Brust oder Beinen
- Blutergüsse auf der Haut (außer an der Einstichstelle)

Fälle von Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündungen traten insbesondere bei männlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf.
Anzeichen können starke Brustschmerzen und/oder Herzrasen sein.

Grundsätzlich gilt, so Prof. Dr. Cichutek vom Paul-Ehrlich-Institut, dass man bei unerwarteten, sehr starken oder lang anhaltenden Symptomen immer zum Arzt oder zur Ärztin gehen sollte.

Die meisten häufigen Impfreaktionen klingen laut Infektiologe Prof. Dr. Johannes Hübner in der Regel 48 bis 72 Stunden nach einer Impfung ab.

Warum impfen, wenn es Nebenwirkungen gibt?

Nebenwirkungen kann es bei nahezu allen Arzneimitteln geben. Der Nutzen des Impfstoffs muss klar über den Risiken stehen.

Eine Corona-Impfung verhindert die Auswirkungen einer Covid-19-Erkrankung mit einer bis zu 95-prozentigen Wahrscheinlichkeit, wobei die Schutzwirkung bei Virusvarianten niedriger sein kann.

Über 90.000 Menschen sind in Deutschland bereits an oder mit Covid-19 gestorben. Im Verlauf der Impfkampagne (Impfstart am 27.12.2020) ist ein Rückgang der Corona-Toten zu erkennen:

Doch was ist mit Langzeitfolgen?

Langzeit-Nebenwirkungen, die erst nach Jahren auftreten, sind bei Impfstoffen generell nicht bekannt.

Ein Kreis ist beschriftet mit: Geimpfte vor Zulassung eines Impfstoffs. Im Kreis sind symbolisch für mehrere Tausende stehend, kleine weiße und blaue Punkte eingezeichnet. Die überwiegend blauen stehen für Menschen, bei denen häufige bis seltene Nebenwirkungen auftraten. Die wenigen weißen für Menschen ganz ohne Nebenwirkungen.
Ein Kreis ist beschriftet mit: Geimpfte vor Zulassung eines Impfstoffs. Im Kreis sind symbolisch für mehrere Tausende stehend, kleine weiße und blaue Punkte eingezeichnet. Die überwiegend blauen stehen für Menschen, bei denen häufige bis seltene Nebenwirkungen auftraten. Die wenigen weißen für Menschen ganz ohne Nebenwirkungen.
Zu sehen ist ein sehr viel größerer Kreis als eben, dieser ist mit: Geimpfte nach Zulassung eines Impfstoffs (bis mehrere Millionen) beschriftet. Wir sehen nun, dass auch sehr selten Nebenwirkungen in Form von zwei Punkten eingeschlossen sind. Auch diese können nun entdeckt werden.
Zu sehen ist ein sehr viel größerer Kreis als eben, dieser ist mit: Geimpfte nach Zulassung eines Impfstoffs (bis mehrere Millionen) beschriftet. Wir sehen nun, dass auch sehr selten Nebenwirkungen in Form von zwei Punkten eingeschlossen sind. Auch diese können nun entdeckt werden.

Bei Langzeitfolgen handelt es sich also um die Folgen, die so selten sind, dass sie erst nach vielen Impfungen entdeckt werden.

Viele sehr seltene Nebenwirkungen werden üblicherweise erst nach der Zulassung eines Impfstoffs bekannt.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist es laut Immunologe Prof. Dr. Dietrich Kabelitz zwar nicht auszuschließen, dass noch weitere Nebenwirkungen berichtet werden, aber das sei sehr unwahrscheinlich.

Prof. Dr. Cichutek vom Paul-Ehrlich-Institut betont: „Wir haben hier einen sehr guten, sehr großen Eindruck hinsichtlich der Nebenwirkungen, die von diesen Impfstoffen ausgehen.“

Was tun bei späteren Nebenwirkungen?

Wer Nebenwirkungen nach der Impfung bemerkt, kann diese beim Paul-Ehrlich-Institut melden.

Auch mit der App SafeVac 2.0 des Paul-Ehrlich-Instituts können Geimpfte Auskunft über Nebenwirkungen geben.

Die Europäische Gesundheitsbehörde muss gemeldete Nebenwirkungen untersuchen und beobachten. Je mehr Menschen geimpft sind, desto mehr wird man über mögliche sehr seltene Nebenwirkungen wissen.

Aufgrund unterschiedlicher Studiendesigns der Impfstoffe ist ein direkter Vergleich der in klinischen Prüfungen ermittelten Häufigkeiten von Reaktionen nur schwer möglich. Daher wurden die Beobachtungen für alle zugelassenen Impfstoffe getrennt voneinander dargestellt.

Quellen:
Paul-Ehrlich-Institut; Paul-Ehrlich-Institut, Sicherheitsbericht: Verdachtsfälle von Nebenwirkungen und Impfkomplikationen nach Impfung zum Schutz vor COVID-19, 28.01.2021 und 22.06.2021; Europäische Arzneimittelagentur (EMA); Ständige Impfkommission; Charité Berlin; Robert-Koch-Institut; Prof. Dr. Klaus Cichutek, PEI; Prof. Dr. Johannes Hübner, Universitätsklinikum München; Prof. Dr. Dietrich Kabelitz, Universitätsklinikum Kiel

Redaktion:
Jennifer Werner, Robert Meyer

Im Auftrag des ZDF:

Autor*innen:
Ella Böhm, Gary Denk

Redaktion:
Jonas Becker

Design:
Jens Albrecht,
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