Corona-Impfstoffe

Was sind die Nebenwirkungen?

Die Impfungen sollen der Pandemie ein Ende bereiten. Doch sie laufen schleppend an. Lieferungen von Pharmaunternehmen verzögern sich und laut aktuellem ZDF-Politbarometer* sind sich rund 22 Prozent der Befragten in Deutschland noch unsicher, ob sie sich impfen lassen wollen. Einige haben die Sorge, dass man noch zu wenig über die Nebenwirkungen weiß.
*ZDF-Politbarometer Januar II 2021

Was ist über die Nebenwirkungen bekannt?

Beobachtete Nebenwirkungen beim Biontech/Pfizer-Impfstoff *:  Schmerzen an der Einstichstelle (> 80 % der Geimpften), Abgeschlagenheit (> 60 %), Kopfschmerzen (> 50 %),  Muskelschmerzen (> 30 %), Frösteln (> 30 %),  Gelenkschmerzen (> 20 %),  Schwellungen an der Injektionsstelle und Fieber (> 10 %)  Erbrechen (> 1 %),  Lymphknotenschwellungen gelegentlich (weniger als 1 %). Ergebnisse der klinischen Prüfungen zur Zulassung; Geimpfte >16 Jahre; Anzahl der Probandinnen und Probanden der klinischen Prüfungen (Phase 3): 43.564
Beobachtete Nebenwirkungen beim Biontech/Pfizer-Impfstoff *:  Schmerzen an der Einstichstelle (> 80 % der Geimpften), Abgeschlagenheit (> 60 %), Kopfschmerzen (> 50 %),  Muskelschmerzen (> 30 %), Frösteln (> 30 %),  Gelenkschmerzen (> 20 %),  Schwellungen an der Injektionsstelle und Fieber (> 10 %)  Erbrechen (> 1 %),  Lymphknotenschwellungen gelegentlich (weniger als 1 %).Ergebnisse der klinischen Prüfungen zur Zulassung; Geimpfte >16 Jahre; Anzahl der Probandinnen und Probanden der klinischen Prüfungen (Phase 3): 43.564
Beobachtete Nebenwirkungen beim Moderna-Impfstoff *:  Schmerzen an der Einstichstelle (>90 %),  Abgeschlagenheit (70 %),  Kopf- und Muskelschmerzen (> 60 %),  Gelenkschmerzen und Schüttelfrost (> 40 %),  Übelkeit oder Erbrechen (>20 %) Lymphknotenschwellung in der Achselhöhle (>10 %) Fieber (>10 %) Schwellung und Rötung an der Einstichstelle (>10 %) allgemeinen Ausschlag, Ausschlag und Nesselsucht an der Einstichstelle (1 % –10 %) Juckreiz an der Einstichstelle (0,1 % – 1 %). Ergebnisse der klinischen Prüfungen zur Zulassung; Geimpfte >18 Jahre; Anzahl der Probandinnen und Probanden der klinischen Prüfungen (Phase 3): 30.420
Beobachtete Nebenwirkungen beim Moderna-Impfstoff *:  Schmerzen an der Einstichstelle (>90 %),  Abgeschlagenheit (70 %),  Kopf- und Muskelschmerzen (> 60 %),  Gelenkschmerzen und Schüttelfrost (> 40 %),  Übelkeit oder Erbrechen (>20 %) Lymphknotenschwellung in der Achselhöhle (>10 %) Fieber (>10 %) Schwellung und Rötung an der Einstichstelle (>10 %) allgemeinen Ausschlag, Ausschlag und Nesselsucht an der Einstichstelle (1 % –10 %) Juckreiz an der Einstichstelle (0,1 % – 1 %). Ergebnisse der klinischen Prüfungen zur Zulassung; Geimpfte >18 Jahre; Anzahl der Probandinnen und Probanden der klinischen Prüfungen (Phase 3): 30.420

Ergebnisse der klinischen Studien beider Impfstoffe:

  1. Jüngere hatten häufiger Nebenwirkungen. Ihr Immunsystem reagiert besser.
  2. Impfreaktion häufiger nach zweiter Impfung
  3. Nebenwirkungen etwas intensiver und häufiger als z. B. bei der Grippeimpfung

Mit über 30.000 Probandinnen und Probanden bei Moderna und über 43.000 bei Biontech/Pfizer wurde bereits ein ausgedehnter Personenkreis getestet – darunter auch einzelne Personen aus den Risikogruppen.

Trotzdem fehlen noch aussagekräftige Erhebungen zu bestimmten Personengruppen, wie zum Beispiel:

Grafische Darstellung: Kinder, Schwangere, Menschen mit Immunerkrankungen

Wie bei allen Impfstoffen müssen auch bei den Corona-Impfstoffen zu diesen Personengruppen noch Studien folgen. Diese werden weitere Hinweise liefern, was beispielsweise die Wirkungsdauer und die Sicherheit für diese Gruppen angeht. Außerdem gilt es noch herauszufinden, ob die Impfstoffe auch die Übertragung des Virus verhindern.

Doch viele der Nebenwirkungen wurden bereits vor der Zulassung entdeckt. Sehr seltene Nebenwirkungen werden allerdings meist erst nach der Zulassung entdeckt.

Sehr häufig: z. B. Kopfschmerzen Häufig: Rötung an Einstichstelle Gelegentlich: Juckreiz an Einstichstelle Selten: akute Gesichtslähmung Sehr selten: allergische Überreaktion

Zwei gravierende Nebenwirkungen, die sich auch schon in den klinischen Studien abzeichneten, werden derzeit genauer beobachtet:

Aufgetretene, sehr seltene Nebenwirkungen: Akute Gesichtslähmung. Bei 85 Prozent der Betroffenen nach einigen Wochen wieder verschwunden
Aufgetretene, sehr seltene Nebenwirkungen:  Akute Gesichtslähmung. Bei 85 Prozent der Betroffenen nach einigen Wochen wieder verschwunden. Allergische Überreaktion. Vereinzelt schwerwiegend oder lebensbedrohlich.
Aufgetretene, sehr seltene Nebenwirkungen:  Akute Gesichtslähmung. Bei 85 Prozent der Betroffenen nach einigen Wochen wieder verschwunden. Allergische Überreaktion. Vereinzelt schwerwiegend oder lebensbedrohlich.
Aufgetretene, sehr seltene Nebenwirkungen:  Akute Gesichtslähmung. Bei 85 Prozent der Betroffenen nach einigen Wochen wieder verschwunden. Allergische Überreaktion. Vereinzelt schwerwiegend oder lebensbedrohlich.

Die seltenen Gesichtslähmungen beobachtete man bereits während der klinischen Studien bei 0,1 bis 0,01 % der Geimpften.

Vier Fälle wurden nach einer Corona-Impfung in Deutschland bislang gemeldet. Ob der Impfstoff allerdings die Ursache ist, wird weiter untersucht.* Anzahl Geimpfte: 1,78 Millionen, Zeitraum 27.12.2020 – 24.01.2021

Bei den allergischen Überreaktionen* wurden bisher 35 Fälle mit unterschiedlichem Schweregrad beobachtet.

Diese Reaktionen sind bisher meistens bei Frauen aufgetreten, oft in der ersten halben Stunde nach der Impfung.
* Anaphylaxien; Anzahl Geimpfte: 1,78 Millionen, Zeitraum 27.12.2020 – 24.01.2021

Das Paul-Ehrlich-Institut sieht trotzdem kein allgemein erhöhtes Risiko für Personen mit allergischen Erkrankungen.

Allerdings sollten Menschen, die Reaktionen auf die erste Impfung hatten oder Allergien gegen Inhaltsstoffe der Impfungen haben, nicht geimpft werden.

Wenn ältere Menschen oder Menschen mit schweren Vorerkrankungen und einem erhöhten Sterberisiko geimpft werden, dann wird es eine gewisse Anzahl von zufälligen Todesfällen geben, die kurz nach der Impfung auftreten. Diese hängen also nicht mit der Impfung zusammen.

Die gemeldeten Todesfälle mit unklarer Ursache waren bisher nicht häufiger als die erwartete Anzahl von Todesfällen*.
*Berechnungen des Paul-Ehrlich-Instituts; Grundlage: Todesfälle bis zum 24.01.2021

Die meisten Nebenwirkungen treten laut Paul-Ehrlich-Institut in der Regel zeitnah nach einer Impfung auf.

Um für selten eintretende Nebenwirkungen trotzdem vorbereitet zu sein, sollten am Ort der Impfung Vorkehrungen getroffen werden:

Medizinische Überwachung für mindestens 15 weitere Minuten. Angemessene medizinische Behandlung vor Ort möglich

Warum impfen, wenn es Nebenwirkungen gibt?

Nebenwirkungen kann es bei nahezu allen Arzneimitteln geben. Der Nutzen des Impfstoffs muss höher sein als die Risiken.

Potenzielle Auswirkungen einer Corona-Infektion auf den Körper: Sinne z. B. Geschmacks- und Geruchsverlust. Lunge z. B. akutes Lungenversagen bei schweren Verläufen. Niere z. B. akutes Nierenversagen. Blutgefäße z. B. Thrombosen. Herz z. B. Entzündungen des Herzmuskels.  Hirn z. B. Verwirrtheit und Gedächtnisprobleme. Multiorganversagen.
Zwei Prozent der Infizierten sterben.
Zwei Prozent der Infizierten sterben.

Mehr als 55.000 Menschen sind in Deutschland bereits an oder mit Covid-19 gestorben. Die Impfstoffe sollen den schweren Verlauf verhindern und somit Todesfälle vermeiden.

Bei den zugelassenen Corona-Impfstoffen überwiegt der Nutzen: Er verhindert die Auswirkungen einer Covid-19-Erkrankung mit einer rund 95-prozentigen* Wahrscheinlichkeit.
*Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna

Doch was ist mit Langzeitfolgen?

Langzeitfolgen, die erst nach Jahren auftreten, sind bei Impfstoffen generell nicht bekannt.

Ein Kreis ist beschriftet mit: Geimpfte vor Zulassung eines Impfstoffs. Im Kreis sind symbolisch für mehrere Tausende stehend, kleine weiße und blaue Punkte eingezeichnet. Die überwiegend blauen stehen für Menschen, bei denen häufige bis seltene Nebenwirkungen auftraten. Die wenigen weißen für Menschen ganz ohne Nebenwirkungen.
Ein Kreis ist beschriftet mit: Geimpfte vor Zulassung eines Impfstoffs. Im Kreis sind symbolisch für mehrere Tausende stehend, kleine weiße und blaue Punkte eingezeichnet. Die überwiegend blauen stehen für Menschen, bei denen häufige bis seltene Nebenwirkungen auftraten. Die wenigen weißen für Menschen ganz ohne Nebenwirkungen.
Zu sehen ist ein sehr viel größerer Kreis als eben, dieser ist mit: Geimpfte nach Zulassung eines Impfstoffs (bis mehrere Millionen) beschriftet. Wir sehen nun, dass auch sehr selten Nebenwirkungen in Form von zwei Punkten eingeschlossen sind. Auch diese können nun entdeckt werden.
Zu sehen ist ein sehr viel größerer Kreis als eben, dieser ist mit: Geimpfte nach Zulassung eines Impfstoffs (bis mehrere Millionen) beschriftet. Wir sehen nun, dass auch sehr selten Nebenwirkungen in Form von zwei Punkten eingeschlossen sind. Auch diese können nun entdeckt werden.
Zu sehen ist ein sehr viel größerer Kreis als eben, dieser ist mit: Geimpfte nach Zulassung eines Impfstoffs (bis mehrere Millionen) beschriftet. Wir sehen nun, dass auch sehr selten Nebenwirkungen in Form von zwei Punkten eingeschlossen sind. Auch diese können nun entdeckt werden.
Zu sehen ist ein sehr viel größerer Kreis als eben, dieser ist mit: Geimpfte nach Zulassung eines Impfstoffs (bis mehrere Millionen) beschriftet. Wir sehen nun, dass auch sehr selten Nebenwirkungen in Form von zwei Punkten eingeschlossen sind. Auch diese können nun entdeckt werden.

Bei Langzeitfolgen handelt es sich also um die Folgen, die so selten sind, dass sie erst nach vielen Impfungen entdeckt werden.

Um sie zu entdecken, braucht man mindestens mehrere Hunderttausend bis Millionen Geimpfte. So viele Menschen zu impfen, dauert nicht nur lange, es ist im Rahmen von klinischen Studien nicht leistbar.

Für die Studien der beiden Corona-Impfstoffe waren von der Europäischen Arzneimittelagentur über 30.000 Probandinnen und Probanden vorgeschrieben. Durch diese besonders hohe Teilnehmerzahl war es möglich, frühzeitig schon viele seltene Nebenwirkungen zu entdecken.

Beispielhafte Anzahl der Probandinnen und Probanden anderer Impfstoffe*: BioThrax (gegen Milzbrand): ~3.861 Trumenba (gegen B-Meningokokken): ~13.310 Shingrix (gegen Gürtelrose): ~49.306 Quelle: Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V.. Anzahl der Probandinnen und Probanden bei den Corona-Impfstoffen*: Moderna: ~30.000 Biontech/Pfizer: ~43.000

Nebenwirkungen melden?

Wer Nebenwirkungen nach der Impfung bemerkt, kann diese beim Paul-Ehrlich-Institut melden.

Auch mit der App SafeVac 2.0 des Paul-Ehrlich-Instituts können Geimpfte Auskunft über Nebenwirkungen geben.

Die Europäische Arzneimittelagentur muss gemeldete Nebenwirkungen untersuchen und beobachten. Je mehr Menschen geimpft sind, desto mehr wird man über sehr seltene Nebenwirkungen wissen. Doch diese Beobachtungen können noch Jahre dauern.

Anmerkungen:
Aufgrund unterschiedlicher Studiendesigns der Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna ist ein direkter Vergleich der in klinischen Prüfungen ermittelten Häufigkeiten von Reaktionen nur schwer möglich. Daher wurden die Beobachtungen für beide zugelassenen Impfstoffe getrennt dargestellt.
Die klinischen Studien der beiden Hersteller umfassten laut Paul-Ehrlich-Institut folgende Teilnehmerzahlen:

Moderna:
Phase 1: 85 Probandinnen und Probanden
Phase 2: 600 Probandinnen und Probanden
Phase 3: 30.420 Probandinnen und Probanden

Biontech/Pfizer:
Phase 1 + 2 (kumuliert): 60 Probandinnen und Probanden
Phase 3: 43.584 Probandinnen und Probanden

Quellen:
Paul-Ehrlich-Institut; Paul-Ehrlich-Institut, Sicherheitsbericht: Verdachtsfälle von Nebenwirkungen und Impfkomplikationen nach Impfung zum Schutz vor COVID-19, 28.01.2021; Europäische Arzneimittelagentur (EMA); Ständige Impfkommission; Charité Berlin

Redaktion:
Jennifer Werner, Karsten Kaminski, Robert Meyer

Im Auftrag des ZDF:

Autorin:
Ella Böhm

Redaktion:
Christoph von Massow

Design:
Jens Albrecht,
Henning Bunzel